Kai Lüftner Rotz n Roll Radio

Kai Lüftner: „Kinder sind wie Punks. Unzensiert, ehrlich und knallhart“

Der Berliner Kindermusiker hat in den vergangenen Jahren das Rotz’n’roll-Universum geschaffen, schreibt neben Liedern auch Bücher und ist damit extrem erfolgreich. Dabei hat er  sich zunächst nur „aus Notwehr“ mit dem Genre auseinandergesetzt. Kai Lüftner im Interview. Warum braucht es eigentlich gute Musik für Kinder? Keine Ahnung. Ich hab nie gesagt, ich will gute Musik für Kinder machen. Ich hab einfach nur Musik gemacht, die ich selber gern hören wollte – bzw. früher gern gehört hätte. Die Kompassnadel war mein Sohn. und ja, in der Tat gibt es für meinen Geschmack wirklich viel Zeug, mit dem ich nicht so richtig viel anfangen kann. Aber ich bewerte oder beurteile das nicht, denn Geschmäcker sind verschieden – und das ist auch gut so. Aber es war wie mit den Geschichten die ich schreibe: Ich hatte keinen Bock etwas zu machen, was schon da war. und ich habe auch keine Angst davor, nicht jedem zu gefallen. Was war der Beweggrund damit anzufangen? Als mein großer Sohn zwei war, habe ich ihm ein Buch vorgelesen und fühlte mich – …

Kinderchor. Wir Kinder vom Kleistpark.

Kinderchor: Integration hört sich gut an

Ein cooler Chor, obendrauf ein Kinderchor, geht das? Ja, das geht. „Wir Kinder vom Kleistpark“ zeigt es vor. Können, gute Laune und nicht zuletzt der Blick über den Tellerrand hat der Formation immerhin schon das siebte Album eingebracht. Als Projekt einer Kita im Berliner Stadtteil Schöneberg hat es begonnen, als eine Art Verlängerung des morgendlichen Singkreises, sozusagen. Dabei ging es zunächst einfach darum, die Freude der 3 bis 5-Jährigen am Musizieren zu fördern, die Kraft der Musik zu nutzen, um soziale Fertigkeiten und das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit zu stärken – oft auch über die Sprachgrenzen hinweg. Musik als pädagogisches Konzept, also. Zehn Jahre später sind „Wir Kinder vom Kleistpark“ dem morgendlichen Singkreis aber längst entwachsen. Der Chor ist nicht nur über die Kiezgrenzen, sondern auch weit über die Landesgrenzen hinweg bekannt, aus der Kita-Gruppe wurde eine enorme, singende, tanzende und musizierende Truppe – multikulturell und generationsübergreifend. Die Arbeit mit den Kindergartenkindern ist dabei immer noch zentral, das Ensemble besteht aber längst auch aus Schülern einer benachbarten Musikschule, Jugendlichen, die dem Chor auch weit über das …

Frances England: Familienmusik

Dass Musik für Kinder auch schön sein darf, zeigen glücklicherweise immer mehr Interpreten vor. Frances England zum Beispiel. Sie startete ihre Bühnenkarriere beinahe zufällig an der Schule ihrer Kinder, 2017 wurde sie dann für einen Grammy nominiert. Eine Empfehlung. Es gibt jede Menge gute Liedermacher, die für Kinder schreiben, texten, musizieren – um sie zu finden, muss man sich aber oft sehr bemühen und durch allerlei  Um-Ta-Ta’s wühlen. Um so schöner, wenn man dann auf Künstler wie Frances England stößt. Die Sängerin aus San Francisco zaubert bereits seit 2006 kleine Geschichten rund um Freundschaften und Radfahren, um Pfannkuchen und Lieblingsbücher. Geschichten, die ganz sanft daherkommen und trotzdem Mit-Sing-Qualität haben. Und die auch funktionieren, wenn man eine andere Sprache spricht. Ihr sechstes Album „Explorer of the World“ brachte England im Vorjahr dann auch eine Grammy-Nominierung in der Kategorie „Best Children’s Album“ ein. Dabei startete sie ihre Karriere eher zufällig: Für eine Wohltätigkeitsveranstaltung an der Schule ihres Sohnes schrieb sie ihr Album „Fascinating Creatures“ und ließ dafür ein paar CD’s brennen. Die kamen bei Eltern und Kindern …

Eule und Lerche. Die Weihnachtskinder. Unter meinem Bett. Kindermusik

Reingehört: Von wegen stille Nacht

Pünktlich zum Advent gibt es nun ein Weihnachtsalbum aus der „Unter meinem Bett“-Reihe. Endlich. Denn die populären Compilations haben ziemlich viel damit zu tun, dass das Genre Kindermusik in den vergangenen Jahren entstaubt und aufgewertet wurde. Denn deutsche Bands und Singer-Songwriter finden unter diesem Dach regelmäßig ihren ganz eigenen Zugang zum Thema Kinderlied. Auf dem soeben erschienenen Weihnachtsalbum sind nun wohlbekannte Stimmen ebenso zu hören wie der eine oder andere Neuzugang. So haben sich etwa Francesco Wilking (Höchste Eisenbahn) und Doktor Renz (Fettes Brot) wieder einmal zusammengetan und besingen eine „Gute Zeit“, die „Liga der gewöhnlichen Gentlemen steuert den Song „Winter ist wie Sommer nur in kalt“ bei und Deniz & Ove, die mittlerweile auch ihr eigenes Kinderlied-Album „Bällebad“ herausgebracht haben, singen „Ich will Schnee“. Insgesamt ein unterhaltsames Album, dass den Advent jedenfalls  lauter, dabei aber eben auch ein bisschen lustiger macht.

Mira und das fliegende Haus.

Mira und das fliegende Haus: Die Bücher zum Podcast

Geschichten und Gefühle gehören bei „Mira und das fliegende Haus“ einfach zusammen. Ob Liebe, Trauer, Wut oder Einsamkeit – jede Woche stehen im Podcast Themen im Mittelpunkt,  die Kinder bewegen. Vermittelt werden Werte, wie Toleranz, Mitgefühl und der Mut, sich selbst treu zu bleiben. Jede Folge kommt dabei feinfühlig daher, ganz ohne Fingerzeig und hochgehobene Augenbrauen, dafür aber mit sympathisch-schrulligen Charakteren und schöner Musik. Nun gibt es auch die passenden Bücher zum Podcast – und zwar gleich drei auf einmal, einfach „weil ich mich nicht entscheiden konnte, welches Thema wichtiger ist“, wie Mira sagt. „Wir gehören alle zusammen“ handelt vom weltgrößten Pfannkuchenturm und hält die Erkenntnis bereit, dass es „normal“ vielleicht gar nicht gibt. „Farben sind für alle da“ verbindet die Leidenschaft für Ballett und Fussball, handelt von Selbstbewusstsein, Toleranz und Geschlechterdiversität und „Mein Körper ist ein Königreich“ macht klar, dass niemand über einen anderen Körper bestimmen darf und jeder selbst bestimmt, was er damit tun möchte oder eben nicht. Geschichten für Kinder zwischen 3 und 11 Jahren. Hier kommt man zu den Büchern: www.mira-welt.deDen …

Kiri Rakete

Kiri Rakete: Crowdfunding für neues Album

Die Wiener Kinderliedmacherin Kiri Rakete arbeitet an einem neuen Album. „Wohnzimmerabenteuer“ soll es heißen und dabei kleine und große Hörer musikalisch in ferne Länder mitnehmen, von Alltagssituationen berichten und fröhlich Hirngespinste spinnen. Das klingt gut, doch: Finanziert ist dieses Album noch nicht. Deswegen ruft Kiri Rakete nun zum Crowdfunding auf, bittet all die „Trotzköpfe, Smoothiemaker, Streber:innen, Schulverweigerer, Frechdachse, Tinderkinder, Latte-Macchiato-Papis, Lastenradmamas und Spielplatzrowdys“, die sich gerne auf ihren Konzerten tummeln um Unterstützung. Im Gegenzug hat Rakete allerlei Dankes-Pakete geschnürt. Die reichen vom Pickerl zur Platte bis zum Wohnzimmerkonzert, vom virtuellen Geburtstagsgruß bis zum handgehäkelten Raketen-Shirt. Damit es „Wohnzimmerabenteuer“ aber garantiert heuer noch auf die Bühne und unter die Weihnachtsbäume schafft, gehen Musiker und Produzenten in der Zwischenzeit in Vorleistung und arbeiten unter Hochdruck an der Finalisierung des Album. Das Releasekonzert findet am 5. Dezember in der Schankwirtschaft im Augarten statt. Einen Vorgeschmack auf das Album gibt es außerdem hier: Für Wohnzimmerabenteuer  hat Kiri Rakete ihre Liederskelette der vergangenen 10 Jahre überarbeitet und mit zeitnahen Kompositionen und Themen ergänzt. Dabei begegnet sie ihren Hörer*innen einmal mehr …

Matthäus Bär, Kindermusik, Kinderbuch, Wasserschwein

Matthäus Bär: Das Beste kommt zum Schluss

Ob Schlagzeug oder Synthesizer, sanfte Töne oder Schimpftirade. Matthäus Bär traut Kindern inhaltlich und musikalisch etwas zu. Mit einer Haltung, die im Grunde nicht zwischen groß und klein unterscheidet, sondern sich in erster Linie der gepflegten Unterhaltung verschrieben hat,  hat er  das moderne heimische Kinderliedgenre so entscheidend mit gestaltet. Seinen Auftrag sieht er damit nun fürs erste als erledigt an und zieht sich nach acht Jahren von der Bühne zurück. „Stromgitarre, Schlagzeug, Bass lieben alle Kinder sehr“ Das tut er allerdings nicht, ohne zuvor noch einmal Resümee zu ziehen:  „Best of Bär“ komplettiert nun seinen Alben-Zyklus und zeigt einmal mehr, dass Mittanzpotential und musikalischer Anspruch auch im Kinderzimmer kein Widerspruch sein müssen. Das hört sich opulent und dicht an, nach Streichern, Bläsern und Vintage-Synthesizern und ist dabei aber vor allem wirklich lustig. Bär zum vor- und selberlesen. Nun zieht er sich also zurück – zumindest auf der musikalischen Ebene.  Denn seiner Zielgruppe – den kleinen und den großen Leuten –  bleibt er auch in Zukunft treu. Bär wechselt das Medium und hat mehrere Kinder- und …

Deniz & Öve, Bällebad

Familienmusik: Kr, Kr, Krümelkind

Zuerst ging es nur um einzelnes Liedgut im Genre – für das bekannte „Unter meinem Bett“-Universum erdachten die beiden Hamburger Musiker Deniz Jaspersen und Ove Thomsen in den vergangenen Jahren bereits einige Songs, etwa „Lisa“, „Was der Papa sagt“ oder „Planet“. Das hat ihnen ganz offensichtlich gut gefallen – also haben sie sich zusammengetan haben und gleich ein ganzes Album für Familien geschmiedet. Das heißt Bällebad und handelt von allem, was Kinder bewegt. Lakritz und Patchworkfamilien, etwa. Fieber, aber auch Liebe und Keksgekrümel. Letzteres spielt vor allem in der Singleauskopplung eine übergeordnete Rolle: „Krümelkind“ heißt die musikgewordene Ode an jeden Staubsaugerroboter. Das Video zum Song gibt es hier:   Insgesamt ist ein sympathisches, gut gelauntes Album entstanden, das noch einiges mehr kann als Kekse in den Fleischwolf zu verfrachten. Hörenswert für Leute ab 4 Jahren. Deniz & Ove: Bällebad. Erscheint am 5. März bei Oetinger Audio (17 Euro).

Baustelle, Kiri Rakete

Schraub, Schaufel, Heb: Neues von Kiri Rakete

Alles, was die Laune hebt, ist heuer besonders wertvoll. Umso schöner, dass die Wiener Kinderliedmacherin Kiri Rakete gerade jetzt eine neue Single samt Video herausgebracht hat. „Baustelle“ heißt die und ist voll mit gutem Rhythmus, Wortwitz und Melodie rund um die Themen Bagger, Kran und Mischmaschine. Mit im Gute-Laune-Paket ist noch das passende Video – ein unterhaltsamer Stop-Motion-Film mit coronakonformen Hauptdarstellern und einem Haufen Süßkram. Also, los: schieb, schieb, schraub, schraub, schaufel, schaufel, heb! Hier geht’s zum Video: Baustelle (Official Video) Hier geht’s zu Kiri Rakete Website: www.kiri-rakete.com Und hier zu ihrem Instagram-Account: @kirirakete

Matthäus Bär, Zucker, Musik

Matthäus Bär gibt Kindern „Zucker“

Es ist das Rauschmittel Nummer 1 der Unter-Zehnjährigen, der Stoff, aus dem so mancher Kindertraum gemacht ist, Katalysator ausgelassener Feiern und Trophäe einer jeden erfolgreichen Schnitzeljagd: Zucker. Kein Wunder also, dass Matthäus Bär, Rockstar für Leute ab vier, sich eben diesen Stoff zum Motto seines neuen Albums auserkoren hat. Mit seinem vierten Studioalbum nimmt sich der Wiener Musiker ein neues Genre vor, um jene Themen, die zwischen Schulhof und Kinderzimmer ausverhandelt werden, zu transportieren. Und das klingt nach Synthesizer-Pop der 80er Jahre, nach der besonderen Kraft von rosa Fransen im Haar, auf weiten Strecken nach lustvollem Türe knallen und guter Laune. Selbstbestimmungs-Soundtrack. Darin verpackt findet man außerdem richtig gutes Songwriting („…dann hoffe ich, du hast die Kraft, die alles Schwere leichter macht.“ / „Die Fledermäuse fliegen heute tief. Wir sind bis zum Morgengrauen nachtaktiv“), Texte, die Kindern aus der Seele und Eltern trotzdem ansprechen, die mit Selbstbestimmung zu tun haben und der stückweisen Befreiung aus der liebevollen, elterlichen Umarmung. Oder, wie Bär es selbst beschreibt, es ist Musik für Kinder, „die sich ihre Butterbrote lieber …