Franz Rauch, Umweltpädagoge

Franz Rauch: „Wir brauchen kompetente Kinder“

Für Franz Rauch, Leiter des Instituts für Schulentwicklung der Alpen- Adria-Universität, ist Umweltbildung längst ein wichtiges Zukunftsthema. Was ist die Grundidee hinter Ökolog? Rauch: Es geht darum, Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung an Schulen zu fördern. Dabei gilt die Annahme, dass das Thema am besten vermittelt werden kann, wenn man fächerübergreifend ansetzt, wenn Initiativen gesetzt werden, an denen die Schule als Ganzes mit einbezogen wird. Denn Schulentwicklung ist immer mehr als bloß der Unterricht, sondern muss das gesamte Schulumfeld mitdenken. Das heißt, es wird projektbezogen gearbeitet? Genau, Umweltbildung soll Teil des Schulalltags werde. Dabei geht es zwar auch um konkrete Lerninhalte, vor allem aber darum, Bewusstsein zu schaffen um Handlungskompetenz bei den Schülern und Schülerinnen zu fördern. Wissen ist wichtig, allein greift es aber zu kurz. Man muss die Möglichkeit bieten, Handlungserfahrungen zu machen. Welche Kompetenzen sollen den Schüler da vermittelt werden? Es geht vor allem um eine reflektierte Handlungskompetenz auf Basis eines kritisch prüfenden Umgangs mit Wissen. Es sollen Zusammenhänge vermittelt werden und auch die Botschaft, dass es eine Reihe sinnvoller konkreter Handlungsmöglichkeiten jenseits eines …

Kind und Kunst: Sehen, mit allen Sinnen

Kunst und Kultur sind aus dem urbanen Kontext nicht wegzudenken. Aber was bedeutet Kunst eigentlich für Kinder? Die wichtigsten Ideen, Institutionen und Angebote. Ein Raum, ein buntes Potpourri aus Alltagsgegenständen und viele fleißige Kinderhände – es dauert nicht lange und aus Wattebäuschen, Putzschwämmen, Zahnstochern und aussortierten Postkarten werden Häuser, Türme, Segelboote, Roboter. Wunschlandschaft heißt das Areal, dass das Mumok im Rahmen des jährlichen Kinderaktiontages zur offenen Werkstätte umfunktioniert. Und das passt, denn es ist tatsächlich eine wundersame Phantasiestadt, die sich da mit Blick auf die Ausstellungsräume formt. Das Bedürfnis etwas zu schaffen, ist im Menschen angelegt. Lässt man die Kleinsten einfach machen, wird das besonders schnell deutlich, denn dabei wird ununterbrochen ausprobiert und abgespeichert, umgeworfen und aufgebaut, kurz:  es wird ziemlich viel gelernt. Und lernen, das ist ein wichtiger Aspekt der Museumspädagogik, einer Disziplin, der es immer darum gehen muss, die Kunst aus ihrem Elfenbeinturm herauszuholen, sie den Menschen näher zu bringen und dabei eben auch mal in Kinderhände zu legen. „Kinder verstehen Kunst eigentlich immer gut“, sagt Claudia Ehgartner. Sie leitet die Kunstvermittlungsabteilung für …

Ingo Pohlmann, Kindermusik

Nachgefragt: Pohlmann, wie komponiert man eigentlich ein Kinderlied?

Mit „Dingoingo“ stellt der deutsche Singer-Songwriter Pohlmann („Wenn jetzt Sommer wär“) einen erfreulichen Neuzugang für die Kinderzimmer-Playlist vor. Denn sein Album erzählt auf schöne Weise von Dingen, die Spaß machen – von fröhlichen Wespen, Rummelplatz-Ponys und Löwenzahn auf der Reeperbahn etwa. Es lädt zum tanzen und mitsingen ein, unterhält, aber nicht ohne an der einen oder anderen Stelle auch berührend zu sein. Seine erste Begegnung mit dem Genre Kinderlied hatte Pohlmann bereits 2015 im Rahmen des ersten „Unter meinem Bett“-Samplers. Damals steuerte er den Song „Maulwurf“ bei, der so gut ankam, dass Pohlmann immer wieder darauf angesprochen wurde doch Nachschub für Kinder zu komponieren. Vor allem im Dialog mit seiner Tochter haben sich dann auch bald jene Ideen und Geschichten aufgetan, die es nun zu hören gibt. Im Interview erzählt er nun, wie sich die Arbeit an „Dingoingo“ von jener an seinen anderen Alben unterschieden hat, welche Songs ihm besonders viel Spaß machen und  warum es manchmal gar nicht so einfach ist, Texte nicht zu traurig werden zu lassen. Sie haben zunächst Songs für Kinder …

Kai Lüftner Rotz n Roll Radio

Kai Lüftner: „Kinder sind wie Punks. Unzensiert, ehrlich und knallhart“

Der Berliner Kindermusiker hat in den vergangenen Jahren das Rotz’n’roll-Universum geschaffen, schreibt neben Liedern auch Bücher und ist damit extrem erfolgreich. Dabei hat er  sich zunächst nur „aus Notwehr“ mit dem Genre auseinandergesetzt. Kai Lüftner im Interview. Warum braucht es eigentlich gute Musik für Kinder? Keine Ahnung. Ich hab nie gesagt, ich will gute Musik für Kinder machen. Ich hab einfach nur Musik gemacht, die ich selber gern hören wollte – bzw. früher gern gehört hätte. Die Kompassnadel war mein Sohn. und ja, in der Tat gibt es für meinen Geschmack wirklich viel Zeug, mit dem ich nicht so richtig viel anfangen kann. Aber ich bewerte oder beurteile das nicht, denn Geschmäcker sind verschieden – und das ist auch gut so. Aber es war wie mit den Geschichten die ich schreibe: Ich hatte keinen Bock etwas zu machen, was schon da war. und ich habe auch keine Angst davor, nicht jedem zu gefallen. Was war der Beweggrund damit anzufangen? Als mein großer Sohn zwei war, habe ich ihm ein Buch vorgelesen und fühlte mich – …

Was kommt nach der Volksschule?

Mittelschule oder Gymnasium: Welche weiterführende Schule passt zu meinem Kind?

Die Wahl der Schule ist für viele Eltern ein großer Schritt: Welche Schule passt zu meinem Kind, und welche Kriterien sind bei der Schulwahl wichtig? Mittelschule oder Gymnasium, ein Sportschwerpunkt oder doch lieber die Schule im Ort? Die eine richtige Antwort auf diese Fragen gibt es nicht. Bildungsforscherin Sabine Buchebner-Ferstl erklärt im Interview Stärken und Schwächen der verschiedenen Schultypen und gibt Eltern Tipps für die Entscheidung. Die Entscheidung auf welche Schule ein Kind nach der Volksschule gehen soll, bedeutet für viele Eltern Druck und Stress. Warum ist das so und wie kann man dem entgegenwirken?  Buchebner-Ferstl: Diese Entscheidung wird von den Eltern als wichtige Weichenstellung für das weitere Leben begriffen. Dies trifft insofern zu, als ein späterer Wechsel von der MS in eine AHS (nach der 8. Schulstufe) nur selten erfolgt und wenn, dann mit einer höheren Drop-Out-Quote einhergeht. Das liegt aber nicht nur an Leistungsunterschieden zwischen AHS und (N)MS am Ende der 8.Schulstufe, sondern auch daran, dass sich die Neuankömmlinge auch erst in die neue Situation einfinden müssen (neue Lehrer:innen, anderer Unterrichtsstil, neuer Klassenverband…). …

Anna Keller: Zuhause kann so vieles sein.

Nachgefragt: Welche Gefühle vermittelt ein gutes Kinderbuch?

Anna Keller findet schöne Worte, erzählt von erdachten Welten und traut Kindern dabei auch etwas zu. Denn: „Bücher und Geschichten machen klug und einfallsreich“, weiß Keller. Und weiter: „Sie sorgen dafür, dass wir gestärkt und offen durch die Welt gehen und unsere eigenen Gedanken in sie hineintragen und verwirklichen können. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Buch gut ist, sprich, dass es uns berührt und begeistert.“ Ihr Kinderbuch „Zuhause kann so vieles sein“ handelt davon, wie verschieden die Lebensrealitäten von Kindern aussehen können und, dass gerade diese Unterschiedlichkeit schön und bunt und gut sein kann. Obendrauf hat Keller ihren eigenen Kinderbuchverlag gegründet – den Urknall-Verlag. Im Interview erzählt sie uns warum gute Kinderbücher wichtig sind, warum „ernste“ Themen auch in der Kinderliteratur nicht fehlen dürfen und wie es eigentlich zur Verlagsgründung kam. Du hast einen eigenen Kinderbuchverlag gegründet. Wie kam es zu der Idee? Was war dabei bisher schwieriger als du vorher dachtest und was vielleicht leichter? Ich bin von Haus aus Redakteurin und habe schon immer geschrieben, in den letzten Jahren vor allem für Kinder. Da kam …

Umweltpädagogik, Friedas for future

Holt die Umwelt in die Schule!

Klimafragen und Nachhaltigkeit beschäftigen die Jugend. Neben Mathe, Deutsch und Englisch bringen deswegen immer mehr Schulen auch wichtige Zukunftsfragen auf den Stundenplan. Das Erleben von Natur, Teilhabe an der Gesellschaft und nachhaltige Alltagsgestaltung stehen dabei im Fokus. Das passende Programm heißt Ökolog. In der Kiste, die hinten in der Klasse steht, leben Würmer. Was gemeinhin durchaus Ekel auslösen könnte, sorgt hier für anhaltende Faszination. Jeden Tag sammeln die Schüler nach der Jause ihre Obst- und Gemüsereste ein, um sie in die Kiste zu leeren. Denn was die Kinder übrig lassen, bekommen die Würmer. Und der Kompost, der dabei unweigerlich entsteht, wandert anschließend in den Schulgarten. Wie nebenbei wird dabei etwas über natürliche Kreisläufe gelernt – für die meisten Kinder sind diese nicht unbedingt und von vornherein selbstverständlich. Die Wurmkiste ist nur eines von insgesamt zwölf Projekten, die in der Volksschule Vereinsgasse im vergangenen Jahr stattgefunden haben Denn in der kleinen Schule in Wien Leopoldstadt wurde fleißig gegärtnert und upgecycelt, aber auch debattiert und demonstriert. Das hat einen guten Grund: Die Vereinsgasse ist eine Ökolog-Schule. „Bei …

Freiheit, Kinder, BO, Erziehung

Abenteuer Freiheit: Selbstständig die Welt entdecken

Alleine zum Bäcker, eigenständig Konflikte lösen, im Freien übernachten – Kinder wollen die Welt entdecken. Dafür müssen wir sie aber auch ziehen lassen. Noah ist acht. Täglich fährt sein Vater ihn mit dem Auto in die Schule, sie liegt praktisch auf dem Weg zur Arbeit. Nach der Schule werden Noah und seine Klassenkollegen schon von der Hortbetreuung vor dem Schultor erwartet. Sonja ist zehn. An den Nachmittagen ist sie meistens zuhause, alleine hinaus geht sie nie. Der sechsjährige Levi besucht seit diesem Jahr eine Ganztagsschule, drei mal die Woche geht es nach dem Unterricht noch zu Klavierunterricht, Tanzen und Turnen. Das macht Spaß, aber wenn er danach endlich nach Hause kommt, ist meist nur noch Zeit für das Essen und es geht ab ins Bett. Noah, Sonja und Levi leben das ganz normale Leben Sechs- bis Zehnjähriger. Sie haben volle Terminkalender, fürsorgliche Eltern – nur Zeit für Abenteuer bleibt dabei kaum. Damit stehen sie prototypisch für ein Phänomen, das unsere Gesellschaft bereits seit etwa 20 Jahren mehr und mehr durchzieht. Soziologen nennen das „Verinselte Kindheit“. …

Susanne Mierau, Pädagogik, BO

Susanne Mierau: Wenn Babys weinen

Es gibt Babys, die brauchen einfach mehr. Mehr Aufmerksamkeit und Nähe, etwa. Mehr Körperkontakt und mehr Zuwendung. Die Gründe dafür können vielfältig sein, äußern tun sie sich aber in der Regel vor allem durch eines: Weinen. Eltern von Babys, die viel weinen, sind meistens erschöpft und verzweifelt. In ihrem Buch „Mein Schreibaby verstehen und begleiten. Der geborgene Weg für High Need Babys“ gibt Susanne Mierau betroffenen Eltern Hilfestellungen. Sie erklärt, warum manche Babys besondere Bedürfnisse haben und wie Eltern, darauf gut reagieren können. Vor allem aber gibt sie alltagspraktische Tipps, die Eltern entlasten sollen und ihnen so durch diese fordernde Zeit helfen. Mierau ist Kleinkindpädagogin und Vielschreiberin. Auf „Geborgen Wachsen“ teilt die Autorin und Bloggerin regelmäßig ihre Ansätze zu einem friedvollen, nachhaltigen und gleichberechtigten Familienleben. Ihr aktuelles Buch „Mutter.Sein“ räumt darüber hinaus mit  unrealistischen und historisch gewachsenen Mythen rund um die Mutterschaft auf, versucht überzogene Ansprüche abzubauen und das Schöne und Leichte am Muttersein in den Vordergrund zu rücken. Wir haben mit ihr über das Thema „High Need Baby“ gesprochen, und darüber, warum es gerade …

raus aus der Wenn-Dann-Falle

Raus aus der Wenn-Dann-Falle!

Jeder hat sie schon gesagt, doch niemand will sie hören. Ein wenig Gelassenheit, Mut zur Verantwortung und Spaß an kreativen Lösungen können helfen, die unliebsamen Wenn-Dann-Sätze aus der Eltern-Kind-Grammatik zu verbannen. (Dieser Text erschien zuerst bei hello familiii, www.hellofamiliii.at) „Wenn du nicht aufisst, gibt es keinen Nachtisch“, „Wenn du nicht sofort aufhörst, Sand zu werfen, gehen wir nach Hause.“ Und der Klassiker: „Wenn du jetzt nicht kommst, gehe ich ohne dich“. Sätze wie diese sind häufig zu hören – das macht sie aber nicht unbedingt besser. Denn Wenn-Dann-Konstruktionen sind in der Regel kontraproduktiv. Sie sind ein guter Hinweis dafür, dass Eltern ihre Machtposition ein gutes Stück weit ausreizen, um das Kind zu einer gewünschten Reaktion zu bringen – und damit tun sie weder sich selbst noch ihrem Kind einen Gefallen. „Meistens steht Druck dahinter. Druck, den die Eltern haben und in stressigen Situationen an ihr Kind weitergeben“, weiß Michaela Auer-Ottenschläger. Für uns hat die Familienberaterin und Pädagogin (www.familytalk.at)das Phänomen einmal genauer unter die Lupe genommen, klassische Wenn- Dann-Fallen analysiert und sich außerdem mögliche Alternativen überlegt. Aber, was passiert …