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Susanne Mierau: Wenn Babys weinen

Es gibt Babys, die brauchen einfach mehr. Mehr Aufmerksamkeit und Nähe, etwa. Mehr Körperkontakt und mehr Zuwendung. Die Gründe dafür können vielfältig sein, äußern tun sie sich aber in der Regel vor allem durch eines: Weinen. Eltern von Babys, die viel weinen, sind meistens erschöpft und verzweifelt. In ihrem Buch „Mein Schreibaby verstehen und begleiten. Der geborgene Weg für High Need Babys“ gibt Susanne Mierau betroffenen Eltern Hilfestellungen. Sie erklärt, warum manche Babys besondere Bedürfnisse haben und wie Eltern, darauf gut reagieren können. Vor allem aber gibt sie alltagspraktische Tipps, die Eltern entlasten sollen und ihnen so durch diese fordernde Zeit helfen.

Mierau ist Kleinkindpädagogin und Vielschreiberin. Auf „Geborgen Wachsen“ teilt die Autorin und Bloggerin regelmäßig ihre Ansätze zu einem friedvollen, nachhaltigen und gleichberechtigten Familienleben. Ihr aktuelles Buch „Mutter.Sein“ räumt darüber hinaus mit  unrealistischen und historisch gewachsenen Mythen rund um die Mutterschaft auf, versucht überzogene Ansprüche abzubauen und das Schöne und Leichte am Muttersein in den Vordergrund zu rücken. Wir haben mit ihr über das Thema „High Need Baby“ gesprochen, und darüber, warum es gerade für Eltern von Babys, die mehr Zuwendung brauchen als andere, besonders wichtig ist auch die eigenen Bedürfnisse im Blick zu behalten.

Was bedeuten die Begriffe „Schreibaby“ bzw. „High Need Baby“? Woran kann es liegen, dass das eigene Baby gefühlt mehr Bedürfnisse hat als andere?

Eigentlich sind beide Begriffe nicht so ganz passend. „Schreibaby“ ist als Begriff schwierig, da er das Baby so sehr auf das Schreien reduziert und es gerade für Eltern von viel weinenden Babys wichtig ist, das Augenmerk auch auf die positiven Aspekte des Kindes zu wenden. Ich spreche deswegen lieber über „viel weinende Babys“ als über Schreibabys, obwohl letzterer Begriff eben der ist, unter dem Eltern nach Hilfe suchen. Das „High Need Baby“ kann auch viel weinen, muss es aber nicht. Es zeichnet sich damit aus, dass die Bedürfnisse des Babys nach Nähe, Zuwendung und auch Regulation der Bewusstseinszustände stärker ist als bei anderen Babys. Es kann also eine Untergruppe der „Schreibabys“ bzw. viel weinenden Babys sein. Die Ursachen für das häufige Weinen können aber neben dem empfindsamen Temperament auch ganz andere sein. Es gibt viele mögliche Ursachen wie eine anstrengende Geburt, organische Ursachen, die zunächst nicht erkannt werden wie zum Beispiel eine Refluxerkrankung, Überstimulation oder Entwicklungsfrustration.

Inwiefern unterscheidet sich der Alltag mit einem Schreibaby in der Regel von anderen?

Je nach Ursache und Intensität sind Eltern mit viel weinenden Babys sehr belastet und oft überfordert. Das viel weinende Baby braucht viel Zuwendung, weshalb Eltern dem natürlichen Instinkt folgend das Baby tragen und versuchen zu beruhigen. Viele Eltern von viel weinenden Babys sind daher sehr stark belastet: das Weinen des Kindes ist nicht nur eine psychische Belastung, sondern auch eine körperliche Belastung, denn die Atmung verändert sich und wird flacher, der Körper ist angespannt. All das wirkt sich auf den Alltag aus und oft steht die Pflege und versuchte Beruhigung des Kindes im Vordergrund und Eltern haben kaum Möglichkeiten, sich um anderes zu kümmern. Das kann – wenn das Umfeld dies nicht auffängt – zu einer weiteren Belastung werden, wenn Eltern nicht mehr gut für sich sorgen können, vielleicht nicht gut mit Nahrung versorgt werden, nicht mal Zeit für Körperpflege haben oder auch Scham, weil sie es nicht schaffen, auch noch den Haushalt zu berücksichtigen.

Das Thema ist häufig mit Scham besetzt, Eltern fühlen sich schuldig und vor allem auch von außen bewertet. Welche Rolle spielt das Umfeld und wie kann man da den Druck von den Eltern nehmen?

Es ist sehr wichtig, dass Eltern mit viel weinenden Babys unterstützt und entlastet werden – sowohl praktisch durch helfende Hände als auch emotional. Viele Ideen dazu gibt es auch auf meinem Blog „Geborgen Wachsen„.

Warum stimmt der Spruch „entspannte Eltern, entspannte Babys“ eben nicht immer?

Natürlich kann sich eine Anspannung von den Eltern auf das Baby oder später auf Kinder übertragen. Die Ursachen für das viele Weinen von Babys können aber sehr verschieden sein und es ist nicht gerechtfertigt, von einem viel weinenden Baby auf unentspannte Eltern zu schließen. Das kann den Druck und die Anspannung sogar noch verstärken.

Inwiefern kann ein bedürfnisorientierter Zugang den Alltag mit einem Schreibaby für alle Beteiligten leichter machen?

Zunächst ist mit dem Schreibaby wichtig: Ich reagiere darauf und schaue, wo ich Dir helfen kann. Oft allerdings braucht es für die Spurensuche Unterstützung und auch für das Anbieten passender Hilfen. Es ist wichtig und gut, sich an Fachpersonen zu finden, um Begleitung auf diesem Weg zu bekommen. Prinzipiell ist es natürlich wichtig für das Kind, dass es das Gefühl vermittelt bekommt, dass die Eltern da sind und es begleiten mit dem jeweiligen Problem und auch das Weinen begleitet wird. Dann ist aber ganz besonders wichtig, dass die Bedürfnisse der Eltern auch im Blick behalten werden und sie nicht ausbrennen in der Sorge um das Kind und der Beschäftigung mit den Kindersorgen, sondern auf jeden Fall Ruhephasen und Entspannung für sich einbinden und finden und unterstützt und getragen werden von einem sozialen Netz.

Hier gehts zum "Geborgen Wachsen"-Universum: www.geborgen-wachsen.de

Hier gehts zum Buch "Mein Schreibaby verstehen und begleiten": www.gu.de

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