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Post Partum Positivity: Scheisst euch nicht vor eurer Cellulite an!

Post Partum Positivity: Interview mit Didi Resch

Aus unserer Post-Partum-Positivity-Serie: Didi Resch ist nicht nur zweifache Mutter, sondern auch Yogalehrerin. Dabei unterstützt sie regelmäßig Frauen nach der Geburt bei der Rückbildung. Sie weiß, dass man sich seinen Körper nach einer Schwangerschaft erst wieder zurück erobern muss und ruft dazu auf, sich von einer Welt der Scheinbilder und Inszenierungen nicht einschüchtern zu lassen.

Wie war dein Körpergefühl nach der Geburt?

Nach meiner ersten Geburt – es war ein Notkaiserschnitt – war ich zuallererst mit den Folgen des Eingriffs beschäftigt. Ich könnte nicht sagen, dass mir mein Körper danach fremd gewesen wäre, aber aufgrund der großen Narbe, die nun meinen Unterleib ziert, musste ich ihn mir auf gewisse Weise wieder zurück erobern. Nachdem alles gut verheilt war, begann ich schon bald mit Rückbildungsübungen und Yoga, was mir ermöglichte mich wieder kräftig zu fühlen und meinen Körper so wie er ist, anzunehmen. Die zweite Geburt war eine Spontangeburt und da ich auch keinerlei Verletzungen hatte, war ich sehr rasch wieder fit. Allerdings fand ich aufgrund der neuen Familiensituation kaum Zeit mich körperlich zu betätigen – im Sinne eines Trainings. Es dauerte bedeutend länger bis sich mein Bauch zurück gebildet hatte. Aber mit ein paar Übungen zwischen dem Kochen und den älteren Sohn vom Kiga Abholen hat auch das dann funktioniert.

Inwiefern hat sich deine Körperwahrnehmung durch das Mutterwerden / Muttersein verändert?

Das Mutterwerden und – sein verlangt dem Körper Enormes ab. Durch die tagtäglichen körperlichen Herausforderungen, den Hormonachterbahnfahrten und den schlaflosen Nächten hat sich viel verändert, schätze meinen Körper aber als einen an der Mutterschaft gereiften, der mich immer wieder mit seinem Kraftpotenzial überrascht. So wie ich meine Kinder heranwachsen sehe, wachse auch ich mit diesen Veränderungen und bin stolz auf meinen Körper das alles geschafft zu haben und weiterhin so vieles zu leisten, auch wenn es oft grenzwertig ist.

Der weibliche Körper ist zwar omnipräsent, in den allermeisten Fällen begegnen wir ihm aber in einem idealisierten und vor allem auch sexualisierten Kontext. Hatte das Einfluss auf dich, gerade in der Zeit nach der Geburt? Hast du eine Art Leistungsdruck verspürt schnell wieder auszusehen wie vorher?

Ganz ehrlich gesagt, nach der Geburt hatte ich andere Dinge in meinem Kopf. Die Hormone und Gefühle die mich da geleitet haben, waren ganz auf Baby Ernähren und Familienpflege eingestellt. Da hatte ich keine Zeit und auch keinen Bedarf mich dem Wettbewerb „Idealkörper in Bestzeit“ zu stellen. Mir war wichtig mich wohl zu fühlen und körperlich fit zu sein, dh. ich habe die Rückbildung sehr ernst genommen und so oft wie möglich Übungen in den Alltag eingebaut. Bin aber keinem Idealbild hinter her gelaufen. Ich weiß, dass es speziell unter „frischen“ Müttern ein riesen Thema ist und der Wettbewerb ist spürbar, aber für mich hatte es deshalb keinen Reiz mich da mitreißen zu lassen, da die Frauen in den meisten Fällen frustriert daraus hervorgehen, da die gesteckten Ziele oft so nicht erreicht werden können.

Die Body Positivity Bewegung will vor allem Sehgewohnheiten ändern, in dem „normale Körper“ gezeigt werden. Kann das funktionieren?

In der selbstoptimierungs- und selbstdarstellungssüchtigen Zeit wie dieser nicht. Nein. Da müsste die gesamte mediale Welt wie ein Computer neu aufgesetzt werden. Es wird immer die zwei Frauen-Bilder geben: der schlanke, trainierte, dellenlose, enthaarte, glänzende Körper, sowie der „normale“ – aber den sehen wir ja eh auf der Straße oder im Schwimmbad. Die Gesellschaft will sich da ja bekanntlich wenig aufhalten und beamt sich lieber in eine großartig inszenierte Fake-Welt.

Eine Geburt ist ein urweiblicher und extrem körperlicher Akt, gleichzeitig soll man sie dem weiblichen Körper im Idealfall nicht ansehen. Kannst du dir diesen Widerspruch erklären?

Ich bin nicht sicher ob hier von einem Widerspruch gesprochen werden kann, denn das eine von dem gesprochen wird, ist eine Erfahrung die eine Frau auf ganz individuelle Weise erlebt und das andere der Begriff des Schönheitsideals, der eben eine Idealisierung ist und somit nicht alle realen Lebensbereiche und -erfahrungen mitberücksichtigen kann.

Aber wie schon angesprochen lastet auf den Frauen oft ein enormer Druck da sich viele Frauen ja geradezu in einem Wettbewerb befinden, wer wann und wie wieder zum Traumbody gelangt, am besten nach einer Traumschwangerschaft und einer Traumgeburt. Frau muss funktionieren. Auf allen Ebenen: Schwanger werden, Mutter sein, mit der perfekten Wohnung, dem perfekten Essen, einer guten Arbeit und auch noch gut aussehen. Harte Arbeit wenn frau sich dem ausliefert.

Hast du Tipps und Tricks die speziell Müttern auf dem Weg zu einem positiven Körperbild helfen können?

Ich denke unsere Generation hatte schon zur Genüge die Möglichkeit sich „selbst zu finden“, „Sich Gutes zu tun“, eine Detox-Lebensweise zu führen. Meine Meinung ist : Löst euch von gephotoshopten Blogs – einer Welt voller Scheinbildern und Scheinszenarien; löst euch von Ratgeber-Seiten; Schaut euren Kindern mehr in die Augen als auf den Black Mirror, hört ihnen zu und reagiert darauf und hört auf eure Bedürfnisse und handelt danach. Will euer Körper sich gerade strecken, dann streckt euch. Gönnt euch ein Bier wenn ihr darauf Lust habt und scheißt euch nicht vor eurer Cellulite an, sondern schaut einfach darauf, dass alles irgendwie im Rahmen ist. Ich glaube so könnte frau sich wohl fühlen.

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